Folkestone

Wie geht es der kleinen Stadt nach 32 Jahren? Wir fangen am Hotel an, uns umzusehen. Auf den Leas entlang zum Hafen, den wir vom Fenster aus („seitlicher Meerblick“) sehen können. An der Promenade sehr frische Blumenbeete und viele Häuser, die im Umbau sind gerade. Das Meerklima knabbert an Putz und Farben und macht die Scheiben trübe. Die größeren Häuser, zum Beispiel das Burstin am Hafen, sehen trotzdem noch schlimm verfallen aus, wobei sie wohl weiterhin Gäste aufnehmen.

Am Hafen dann  lauter frohe Überraschungen, zumidest aus Touristensicht. Es haben sich viele nette Street-Food Kioske angesiedelt, aber auch die cockles und whelks, die ich mir schon 1991 leisten konnte, gibt es noch im Schälchen auf die Hand zum Gleichessen. Man muss schnell sein vor den Möven, die auch noch so aggressiv sind wie immer. Den alten Fährbahnhof gibt es nur noch als Bedachung für Wege und Läden. Es ist  komplett bedeutungslos, ebenso wie der ganze Hafen, der nur noch Fischerboote beheimatet. Aber baulich ist alles sehr fein rekonstruiert, aufgearbeitet und dokumentiert. Mitten in der Woche ist es sehr leer. Zu Ostern wird sich das  ändern.

Eine kleine Prachtmeile ist die Old High Street geworden, in der es sehr hübsche Geschäfte und Cafés gibt. Gleich am ersten Abend geraten wir ins „Marleys“, das uns erfreut und aufs Feinste mit Gemüse füllt. Daneben „Steep Street“, ein „Buch und Torte“, immer gut besucht, voller Bücher und Wlan und leckerer Dinge zum Tee.

In der Innenstadt stoßen wir auf sehr viele Charity Shops, auf wenig gut gekleidete Menschen, die  freundlich und engagiert erscheinen (in den Shops, im Museum). Im Lokalblatt können wir lesen, dass Folkestone verkehrsmäßig gut angebunden ist, auch mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach London, sodass man attraktiv für Pendler sein kann. Es werden teure Wohnungen direkt unten am Strand gebaut, wo früher der Rummel war.

Der Lift, eine Standseilbahn mit Wasserausgleichgewichten, die vom Strand hoch zu den Leas fährt, soll mit privatem Geld rekonstruiert werden. Noch ist das Spendenziel nicht erreicht und die ganze Konstruktion ein etwas  trauriges Technikmuseum.

 

Unser Hotel „The View“. Es ist ganz typisch englisch, leicht verblichener Charme, ausgeglichen mit etwas mehr Plüsch. Das Personal entspannt und freundlich, unsere Fahrräder dürfen in der Lobby stehen.

Folkestone ist ein bisschen bedeutungslos und versucht, sich dafür hübsch und attraktiv zu machen. Viele liebenswerte Ecken gibt es für uns „to stroll and to gaze“, wie es auf einer der Bänke oben auf den Leas zu lesen ist.

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