Die Freiheit, zu widersprechen

In der vorletzten ZEIT beschäftigte sich ein Artikel mit der Frage, ob es stimmt, dass man in Deutschland nicht mehr alles sagen darf. In Kurzfassung vertritt die Autorin die Auffassung, Teile des politischen und gesellschaftlichen Dialogs seien elitär und Menschen aus Bildungsfernen Schichten würden sich zurecht nicht (mehr) trauen, bestimmte Dinge zu sagen. Weil sie gar keine Chance hätten zu wissen, was ‚korrekt‘ ist. Als Beispiel wird das Bild eines Schokokusses mit der Unterschrift gebracht: ‚Wie war nochmal das korrekte Wort?‘. Die taz antwortet in zwei Artikeln kritisch.
Meinetwegen: wer noch nichts davon gehört hat, dass es diskriminierend ist, Menschen mit schwarzer Hautfarbe oder People of Color, PoC, als ‚Neger‘ zu bezeichnen, dem (oder der) muss man das vielleicht erklären. Einverstanden. Niemand hat behauptet, Demokratie oder Diskurs seien einfach oder zum Nulltarif zu haben.
Wenn sich aber Rassisten darüber beklagen, dass sie ihre rassistischen Äußerungen nicht unwidersprochen absondern können, dann ist das ein Zeichen für gelungene Demokratie und Meinungsfreiheit und nicht etwa für gescheiterte!
Menschen, die in der AfD sind oder sie wählen, wollen sich rassistisch oder sexistisch äußern, wollen die Gesellschaft verrohen. Wollen sie zurückführen in Zeiten um die Mitte des letzten Jahrhunderts oder die Zeit davor. Gesellschaftliche Veränderungen seit den 60er Jahren sind oft erkämpft und Errungenschaften der Toleranz und Diversität. Versuche, mit Mitteln der Einschüchterung, der Gewalt oder der Unterdrückung das Rad der Geschichte zurückzudrehen, werden zu Recht von großen Teilen der Gesellschaft mit Widerspruch, teils auch mit Widerstand zurückgewiesen. Wer sich jedes sozialen (?) Netzwerks, jeder Fake News und jeder Drohung bedient, um andere einzuschüchtern oder Schlimmeres, braucht sich nicht über angeblich fehlende Freiheiten zu beklagen, die er oder sie lieber heute als morgen abschaffen würde.

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