Gesellschaftliche Schranke

Wer eine solche überwindet, dem öffnen sich Horizonte. In der taz von heute kann man das auf Seite dreizehn lesen. Eine 18-jährige, die aus einem Hartz-IV-Haushalt kommt, das Gymnasium besucht und Abitur macht. Sofort kann ich nachvollziehen, wie die Beschränktheit des eigenen Zuhauses der weiten Welt der Bildung weicht. Man geht in den Unterricht wie alle anderen, hat gute oder schlechte Noten wie alle anderen, Lieblings- und Hassfächer wie alle anderen. Und dann wird man gefragt, wie es denn zu Hause so ist. Und es ist irgendwie, aber nicht wie bei allen anderen. Kein eigenes Zimmer, stattdessen ein gemeinsames mit den Brüdern. Vater und Mutter ohne Ausbildung statt mit großer Karriere. Die gymnasiale Umgebung kann damit nichts anfangen, damals vor über 40 Jahren genausowenig wie heute. Erstaunlich? Bei genauerem Hinsehen nicht. Es gibt offenbar keine institutionelle Förderung für Kinder aus bildungsfernen Schichten, um mehr von ihnen (zum Beispiel) zum Abitur zu verhelfen. Die Eltern wissen schon wegen des eigenen (Er-) Lebens nicht, wie das geht. Der Staat macht offenbar auch heute nichts oder zu wenig. Es ist das Engagement von Lehrerinnen und Lehrern, das oft hilft, Schwierigkeiten zu überwinden. Hilfe bei der Finanzierung einer Klassenfahrt, oder ein Gespräch mit den Eltern, um Möglichkeiten aufzuzeigen, die sonst nicht gesehen werden. Deswegen war zu meiner Schulzeit der Anteil von Kindern aus der Arbeiterschicht so gering, und heute ist das offenbar immernoch so. Wer aber wie ich das Glück hat, diese Schranke zu überwinden, dem tun sich Welten auf. Ich bin bis heute vielen meiner Lehrerinnen und Lehrern dankbar für das, was ich gelernt habe. Was die heute 18-jährige im Interview sagt, erinnert mich an meine Zeit auf dem Gymnasium und führt mir meine Geschichte wieder vor Augen. Heute in der taz zwei auf Seite 13, Gespräch von Jana Lapper, Titel: ‚Der Staat sagt, stay poor, please‘.

Dabei steht für mich die Frage poor oder nicht poor nicht so sehr im Mittelpunkt. Dass allerdings ein 16-jährige, die neben der Schule für 450€ im Monat arbeitet, davon aber nur 100€ behalten darf, weil der Rest mit dem Hartz IV verrechnet wird, das die Mutter bezieht, mit der sie angeblich in einer ‚Bedarfsgemeinschaft‘ lebt, ist zynisch und ein Skandal.

https://taz.de/Aufwachsen-mit-Hartz-IV/!5622983/

3 Kommentare

  1. Du hast so recht! Noch schlimmer wird es, wenn du versuchst, Menschen mit Einschränkungen gleiche Chancen zu verschaffen. Der Zynismus in unserem Bildungssystem ist manchmal nicht zu ertragen… Schickst du mir bitte den Artikel? Danke. 🙂

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