Wassermassen und Bausünden

Die Flut ist vorbei, und wir und ganz El Campello hatten großes Glück, wie Meikel schon beschrieben hat. Unsere compañeros de la clase berichteten von Hagel selbst in San Juan und Alicante, im Falle von Marina, unserer Lehrerin, von Überschwemmungen in der Küche ihres Hauses weniger als acht Kilometer entfernt.

In den Zeitungen gab es heute und gestern große Berichte über das Geschehen. Es seien die schlimmsten Überschwemmungen in einer gota frìa seit Beginn der Aufzeichnungen vor 140 Jahren gewesen. El Pais schreibt von 300.000 Hektar überschwemmter huertas, der Obst- und Gemüseanbauflächen um Murcia. Dieser Schaden ist so bald nicht gut zu machen. Eine Art Marshall-Plan wird gefordert für die am schlimmsten betroffenen Gebiete um Orihuela.

Aber es gibt auch kritische Artikel, die sich damit beschäftigen, wie durch falsche Infrastrukturentwicklung die Überschwemmungen so große Schäden anrichten konnten. Der Fluss Segura wurde offenbar begradigt und damit verkürzt, und es wurde in das alte Flussbett hinein gebaut. Das Wasser hat sich nun seine alten Wege gesucht. Außerdem wurde wohl überhaupt zu nahe und ungeordnet an den Flusslauf gebaut.

Wir selbst machen uns schon seit den ersten Regengüssen, die wir hier im August erlebt haben, so unsere laienhaften Gedanken. Unsere Straße führt leicht abschüssig hinab in den Ort und indirekt zum Meer hinunter. Schon bei normalem Regen schießt das Wasser die Straße entlang. Nirgends gibt es Gullys oder Sickerflächen, die das Wasser aufnehmen könnten. Aufnehmen können es allerdings die Garagenzufahrten der Reihenhäuser, die die Straße säumen, und die hinter abgesenkten Bordsteinen steil nach unten führen. Heißa!

Die Hausbesitzer steuern nun mit viel Energie dagegen: allein in unserer Garage gibt es drei Pumpenanlagen, eine davon benzinbetrieben, falls es einen Stromausfall gibt. Wir wurden penibel eingewiesen und erhalten bei schlechten Wetteraussichten auch präzise Anweisungen direkt aus Vancouver. Die Schwelle vom Keller zum Haus wurde erhöht. Und an der Einfahrt ist ein Metallschott eingeschoben, so wie man es etwas größer z.B. von den Deichen in der Dessauer Wasserstadt kennt. Darüber zerren wir täglich unsere Fahrräder, und natürlich bedeutet es, dass damit die Garage für ein Auto völlig unbrauchbar gemacht ist. Man müsste jedes Mal dieses schwere Ding wegnehmen und wieder neu einsetzen. Alle Nachbarn hier haben so etwas eingebaut, diejenigen, die es vor zwei Wochen noch nicht drin hatten, sind jämmerlich nass geworden und räumten tagelang Zeugs auf die Zufahrt… Die Straßen hier entwässern sich dann selbst direkt auf den Strand und ins Meer.

Auch in der Universität sind riesige Flächen mit den mir verhassten glatten Steinplatten versiegelt, und schon beim leisesten Niederschlag wogt dort ein seichtes Meer. Die Architektur ist hier weder an Hitze angepasst (keine Dachüberstände, Pultdächer ohne Luftraum unterm Dach) noch an schlechtes Wetter, das es hier wahrlich nicht selten gibt. Aber wir passen uns an. So gut es geht. Und hoffen, dass wir weiter Glück haben. Noch waren die Pumpen nicht im Einsatz

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